Schlaghosen trugen schon Hippies, Disco-Stars und Raver
Die 68er-Generation wollte mit Schlaghosen provozieren
Batik-Shirts, lange Haare, Kleidungsstücke im Ethnolook und Blumensymbole waren die ersten Erkennungszeichen der Hippiegeneration, mit denen sie sich optisch vom Spießertum der bürgerlichen Gesellschaft abheben wollte. Ende der 60er-Jahre kamen die Schlaghosen hinzu. Sie wurden schnell bei allen Jugendlichen – nicht nur bei Hippies – populär, die sich modisch von Ihren Eltern abgrenzen wollten. Die Schlaghosen waren nicht nur aus bunten Stoffen gefertigt. Auch die derben Jeanshosen, die der älteren Generation bereits wegen des groben Materials und mangels Bügelfalte ein Dorn im Auge waren, kamen nun mit Schlag daher. Männer und Frauen trugen die Schlaghosen gleichermaßen, und es dauerte nicht lange, bis selbst Kleinkinder in den trendigen Kleidungsstücken zu sehen waren.
Sonny und Cher machten die Schlaghosen in den USA populär
Der Modetrend „Schlaghosen“ war aus Amerika nach Europa geschwappt. In den USA wurden die Hosen mit den weit ausgestellten Beinen „bell bottoms“ genannt, da die Form des Hosenbeins an eine Glocke erinnerte. Zu Beginn der 70er-Jahre machten die beiden Popstars Sonny und Cher Schlaghosen zu Bestandteilen der amerikanischen Mainstream-Mode, indem sie in „bell bottoms“ gekleidet ihre in den USA sehr populäre TV-Show“The Sonny and Cher Comedy Hour“ moderierten. Nach ihrem Durchbruch in der Hippie-Szene wurde die Hose mit dem weiten Bein auch bei Disco-Anhängern ein beliebtes Kleidungsstück, das in Kombination mit hautengen T-Shirts getragen wurde. Auch die Stars prominenter Discobands wie ABBA oder Bee Gees traten in glänzenden engen Hosen mit weitem Schlag auf.
Nur in den 80er-Jahren verschwanden Schlaghosen aus der Mode
In die Modewelt der nüchternen, coolen 80er-Jahre passte die verspielte und auffallende Schlaghose schließlich nicht mehr. Die Hosen wurden vielmehr so eng wie möglich oder die Hosenbeine wurden hochgekrempelt. Zu Beginn der 1990er-Jahre wurden die Schlaghosen dann aber nach und nach wieder beliebter. Zunächst trugen Jugendliche sie bei Techno-Parties und Raves, wo es darum ging, um jeden Preis aufzufallen. Ob Beinkleider aus glitzernden Stoffen oder eigenhändig gefärbte Hosen – alles war bei diesen Szene-Events erlaubt. Die Schlaghose erlebte ein buntes Comeback. Auch heute stellen die großen Jeansproduzenten Hosen mit dem sogenannten „flared leg“ her. Der vorteilhafte Schnitt lässt den Träger oder die Trägerin schlank erscheinen. Auch Jeans im sehr populären Bootcut sind mildere Formen der Schlaghose. Unter dem weiteren Bein einer Bootcut-Jeans verschwinden sogar derbe Winterstiefel oder Schuhe mit hohem Schaft.
