Konfektionsgrößen können unterschiedlicher kaum sein
Europas Konfektionsgrößen sorgen für Ärger beim Urlaubs-Shopping
Wer hat nicht schon einmal in der Umkleidekabine gestanden und sich nicht nur gewundert, sondern sogar geärgert: Kleidungsstücke aus unterschiedlichen Ländern sitzen in derselben Konfektionsgröße völlig unterschiedlich. Größe 38 passt beispielsweise wunderbar, wenn man eine Bluse von einer deutschen Modefirma kauft, probiert man anschließend ein Modell einer spanischen Kleiderkette, muss man fürchten, dass die Nähte reißen. Das gute Stück erscheint gleich zwei Konfektionsgrößen kleiner. Ähnliches ereilt Touristen beim Urlaubs-Shopping: Finden sich in der Schweiz toll sitzende Oberteile in Größe 40, ist in Italien vielleicht eher Größe 42 angesagt.
Die Menschen veränderten sich – die Konfektionsgrößen sind geblieben
Überdies hat bessere und kalorienhaltigere Ernährung dazu geführt, dass die Menschen größer und insgesamt kräftiger geworden sind. Die Konfektionsgrößen hingegen sind seit Jahrzehnten gleich geblieben. Die heute noch gültigen Körpermaßtabellen für Jungen und Männer beispielsweise beruhen auf Daten aus den 60er-Jahren. Bei Frauen wurden die letzten Reihenmessungen immerhin 1994 durchgeführt. Daraufhin glich auch die Bekleidungsindustrie ihre Konfektionsgrößen an. Trotz der Anpassungen klagen viele Frauen darüber, dass ihnen Kleidungsstücke in den üblichen Standard-Konfektionsgrößen 36, 38, 40, 42 und den anderen handelsüblichen Größen nicht richtig sitzen. Dies belegte auch die Reihenmessung aus dem Jahr 1994: Nur noch 21 Prozent der Frauen passten mit ihrer Figur in diese Standardgrößen. Der Grund hierfür war zu diesem Zeitpunkt unter Anderem, dass nahezu 60 Prozent der deutschen Frauen besonders schmal- oder starkhüftig sind. Für die Schnittkonstruktionen der allgemein verbreiteten Konfektionsgrößen war die Grundlage aber eine normalhüftige Figur.
Neue Konfektionsgrößen auf der Basis von aktuellen Daten
Dies alles soll sich nun bald ändern. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden mehr als 13.000 Männer, Frauen und Kinder im gesamten Bundesgebiet gescannt, um auf Grundlage dieser Messdaten unter anderem neue Konfektionsgrößen festlegen zu können. Wichtig sind die erhobenen Zahlen aber auch bei der Gestaltung von Auto-Innenräumen. Wer nach der Reform der Konfektionsgrößen nicht das Passende findet, der kann sich ja einfach die Kleider nach Maß anfertigen lassen, wenn das Geld keine Rolle spielt. In Arbeit befindet sich außerdem noch ein einheitliches europäisches Kleidergrößensystem. Es soll die heute gängige Gegenüberstellung nationaler Bezeichnungen der Konfektionsgrößen, wie sie auf den Kleideretiketten stehen, schon bald ablösen. Die entsprechende Norm wurde von Fachleuten aller europäischen Länder ausgearbeitet und beinhaltet neben einer einheitlichen Messsystematik die zugehörigen Körpermaße und Intervalle. Das europäische Größensystem ist so flexibel gestaltet, dass alle europäischen Konfektionsgrößen abgebildet werden können.
